Poetisch, düster, märchenhaft: Mit seiner alternativen Fotokunst beschwört der dänische Fotograf Emil Schildt längst vergangene Zeiten und verwischt zugleich die Grenzen zwischen Fotografie und Malerei.

Das Medium Fotografie entdeckte der 1958 geborene Schildt dabei eher zufällig für sich. Ende der 1980er Jahre kauft er einem befreundeten Fotografiestudenten, der sich in akuten Geldnöten befindet, eine Kamera ab. Ein kleiner Gefallen, der Schildts Leben entscheidend verändern wird. Der junge Schildt selbst befindet sich zu dieser Zeit in der Abschlussphase seines Musikstudiums. Doch schon bald widmet sich der Flötist in seiner Freizeit nun weniger seinem Instrument, sondern immer häufiger der Kamera. Von seinen Kommilitonen fertigt Schildt unzählige Porträtaufnahmen an, entdeckt aber auch die Aktfotografie für sich – bis heute eines seiner bevorzugten Themen.

Unter dem Motto Trial-and-Error erarbeitet sich der Autodidakt sein Handwerk. Dabei entstehen aufgrund von Belichtungs- und Entwicklungsfehlern zahlreiche vermeintlich misslungene Aufnahmen. Schildt jedoch erkennt schon bald das kreative Potenzial dieser ‚Fehler‘ und entwickelt aus diesen Störungen heraus seine einzigartige Bildsprache. Kratzer, Staubkörner, Fingerabdrucke – was für viele Fotografen das pure Grauen ist, dient Schildt als zentrales Gestaltungselement seiner experimentellen Fotografie. „Kill your Darlings“ nennt Schildt in diesem Sinne eine seiner bevorzugten Techniken, die nach eigener Aussage vor allem darin besteht, die eigenen Bilder zu ‚ruinieren‘.

Ob mit dem Rasiermesser, Sandpapier oder spitzen Nadeln: Immer auf der Suche nach neuen überraschenden Effekten zerkratzt Schildt Abzüge und Negative, zerknüllt sie, trampelt sogar darauf herum. Die radikalen Bearbeitungstechniken Schildts stehen dabei in Kontrast zu der traumhaften und melancholischen Atmosphäre, die viele seiner Motive kennzeichnet. Welkende Blumen, Totenschädel, Frisuren und Perlenketten im Stil der 20er Jahre: Ein Hauch von Nostalgie umweht nahezu alle Motive Emil Schildts. Dabei ist es neben der bewusst eingesetzten Unschärfe besonders das Spiel mit Licht und Schatten, mit dem der selbsternannte ‚Lichtmaler‘ seinen Arbeiten eine unverwechselbare Handschrift verleiht.