Was bei den Fotos des kalifornischen Fotokünstlers Hugh Kretschmer nach einer ausgiebigen Nachbearbeitung mit Photoshop aussieht ist in Wirklichkeit mühevolle Handarbeit. Alle Kollagen und Effekte plant Kretschmer im Vorhinein und setzt sie in stundenlanger Arbeit mit Säge, Klebstoff und Pinsel um. Auf die Frage warum er diese Arbeit nicht auf eine schnellere und einfachere Weise mit Bildbearbeitungsprogrammen umsetzt, antwortet er nur: „Mag sein, aber ich bin in der Prä-Photoshop-Ära groß geworden. Ich habe Collagen schon immer von Hand gemacht.“ Den Spaß am Erstellen der Collagen will sich Kretschmer nicht nehmen lassen. Er ist überzeugt davon, dass die Ästhetik seiner Bilder eine andere und realistischere ist, als bei digitalen Collagen. Photoshop kommt bei ihm zwar auch zum Einsatz, allerdings nur am Ende der Produktion für die Feinretusche. Manchmal arbeitet er bis zu zwei Wochen an vier ähnlichen Motiven. Ist das Budget groß genug, wie bei Werbeaufträgen, dann arbeitet er auch in Teams von bis zu 20 Leuten zusammen, um die Requisiten zu bauen. Und die Ergebnisse, die er erzielt, könnten selbst einigen Digitalen Composern die Tränen in die Augen treiben.

Ein eindrucksvolles Beispiel ist das Bild „Return of the Thin Man“, das als Auftrag für ein Lifestyle Magazin entstand und einen Mann visualisieren soll, der in kürzester Zeit 30 Kilogramm abnimmt. Wie eine russische Matrjoschka steckt dieser Mann in immer größer werdenden Hüllen seines Körpers… allesamt aus Pappe gebaut.

Seine Fotos sind oftmals surrealistisch oder gespenstisch und erinnern in ihrem Stil an die Gemälde des Künstlers René Magritte. Hugh Kretschmer erschafft eigene Bilderwelten, die bevölkert sind mit Fantasiegestalten: Menschen, die von Schaufensterpuppen kaum zu unterscheiden sind hohlen Körpern und Köpfen, die mit Geld oder Zucker befüllt werden und Landschaften, in denen es keine Schwerkraft oder andere Naturgesetze zu geben scheint.

www.hughkretschmer.net