Tod & Mordschlag in lauschiger Sommernacht

Die Shakespeare Company Berlin gibt „Macbeth“

Schuld und Sühne, Schicksal und Selbstbestimmung, Schein und Sein, Macht und Ohnmacht – das sind die Versatzstücke von „Macbeth“, dem wohl blutigsten Theaterstück von William Shakespeare.

Angestachelt von seiner Ehefrau, ermordet der Heerführer Macbeth zunächst den König, um selbst dessen Thron einzunehmen. Es ist der Beginn einer Tragödie, in der die Beteiligten in einen Strudel der Gewalt hineingerissen werden, und Grenzen zwischen scheinbaren Gegensätzen wie Freund und Feind, Gut und Böse oder Natur und Kultur verwischen. Pendelnd zwischen Geschichte, Religion, Mythologie und schriftstellerischer Fiktion wird nachgezeichnet, wie sich Macbeth vom Helden zum Tyrannen wandelt und dabei nach und nach Ansehen, seine Liebe, seine Freunde und schließlich Macht und Leben verliert.

Dem blutigen Charakter des Stücks wird auch in der circa zweieinhalb Stunden dauernden Version der Shakespeare Company Berlin ausreichend Beachtung gezollt. In Verbindung mit dem eher reduzierten, doch in den Details das Symbolhafte betonenden Bühnenbild von Coco Ruch, den von Tamara Zenn geisterhaft in Szene gesetzten Gesichtern und der militärisch anmutenden Kleidung von Gabriele Kortmann entsteht damit ein beklemmendes Szenario.
Die sechs Schauspieler Elisabeth Milarch, Katharina Kwaschik, Benjamin Plath, Stefan Plepp, Oliver Rickenbacher und Erik Studte verkörpern sämtliche Rollen in dieser Inszenierung, die, wie bei vielen Stücken der Shakespeare Company Berlin üblich, von Live-Musik und Chorgesang begleitet wird. Die musikalische Leitung übernimmt dabei Henry Mex.

In passender Tradition zu Shakespeare, der sich in der Thematik von „Macbeth“ an klassischen Tragödien der Alten Griechen orientierte, um sie gleichsam in seine Zeit zu übersetzen, hat auch Regisseur Uwe Cramer mit seinem Team den Sprung in die Gegenwartsmoderne gewagt.
Im Zentrum steht dabei in Bezug auf Lord und Lady Macbeth auch der sogar postmodern anmutende Versuch, private und politische Ziele in Einklang zu bringen. Bestehen bleibt dabei dennoch der metaphysische Kontext, welcher die Zeitlosigkeit des Stücks gewissermaßen nur noch mehr betont. Schließlich symbolisiert gerade er die Thematik um Schein und Sein – und wann war diese je aktueller als heute?

Mit diesen Aspekten empfiehlt sich die „Macbeth“-Inszenierung der Shakespeare Company Berlin einem Publikum, welches das Volkstheater und klassische Stoffe ebenso schätzt wie einen ambivalenten, kunstvoll vorgetragenen Kommentar zum Leben im modernen Zeitgeist.

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