Das Staatsballett Berlin bringt die Stücke VOICES und CITIZEN NOWHERE zur Uraufführung

Idee und Choreografie schrieb der international renommierte Brite David Dawson, der schon Haus-Choreograf des Semperballetts Dresden war. Beide Stücke thematisieren Isolation, Menschenrechte und Hoffnung. Sie folgen an allen Vorstellungsterminen direkt aufeinander

Berlin. Gerade für TänzerInnen ist die Pandemie schwer, weil nicht nur Publikum und Einnahmen viele Monate lang fehlten, sondern auch das gemeinsame Proben nicht, oder nur eingeschränkt, möglich war.

Doch kreative Köpfe finden einen Weg, aus dieser Situation Kunst zu schaffen: Der britische Choreograf David Dawson und sein TänzerInnen-Team des Staatsballetts Berlin haben das Stück „VOICES“ daraus entstehen lassen. Es entwickelte sich nach und nach bei Proben in den vorigen Wintermonaten. In dem kleinen Übungsraum bauten die Gruppenmitglieder ein ganz neues Vertrauen zu einander auf und das wollen sie nun mit ihrem Tanz darstellen. Die Musik zu „VOICES“ ist die gleichnamige Komposition Max Richters von 2020. Richter war es durch die aktuellen weltweiten Ereignisse ein Anliegen, der Menschenrechtsresolution von 1948 der Vereinten Nationen einen musikalischen Rahmen zu geben. Es ist vor allem der erste Artikel dieser Resolution, der es Richter angetan hat: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“

David Dawson greift mit seiner Choreografie diese Aussage auf. Hoffnung ist ein weiteres Gefühl, das die Tanzenden durch ihre Bewegungen vermitteln möchten.

In Kombination mit dem Gruppenballett „VOICES“ läuft an den Veranstaltungsterminen „CITIZEN NOWHERE“ – ein Solostück mit Musik von Szymon Brzóska. Die Choreografie oblag hierbei ebenfalls David Dawson. Das Stück entstand bereits 2017, bleibt jedoch vor dem Hintergrund weltweiter Flucht und Isolation aktuell. Inspiration zu „CITIZEN NOWHERE“ war das Buch „Der kleine Prinz“ des Autors Antoine Saint-Exupéry. Dawson möchte in seinem Stück aufgreifen, wie die gesamte Existenz eines Menschen angezweifelt wird, wenn er oder sie, den Status „staatenlos“ aufgedrückt bekommt. „ ,Citizen Nowhere‘ zeigt, dass allein die Existenz eines Menschen das Kostbarste auf der Welt ist. Selbst wenn Du von einer Million Menschen umgeben bist, erlebst Du noch immer Deinen eigenen Schmerz. Du erlebst immer Deine eigene Wahrheit, Deine Angst und Deine Freude. Niemand kann diese Dinge für Dich erleben. Das ist das Wunder, menschlich zu sein“, schreibt David Dawson über sein Stück in einer Pressemeldung.

Seit 2015 ist der ausgebildete Tänzer David Dawson Associate Artist des Dutch National Ballet und seit 2020 Associate Artist des Dresdner Semperoper Balletts. Zu seinem Portfolio zählt der Brite mehr als 30 Choreografien für die er zahlreiche Auszeichnungen verliehen bekam. Dazu gehören der Prix Benois de la Danse, den er 2002 für die Choreografie zu „The Gray Area“ erhielt – ein Stück, das er mit dem Ensemble des Het Nationale Ballett Amsterdam einstudierte. In Amsterdam hatte er sein erstes internationales Engagement und war auch zum ersten Mal als Choreograf tätig. In Russland erhielt er 2005 die „Goldene Maske“, den höchsten Theaterpreis des Landes, für seine Choreografie des Stücks „Reverence“ des Mariinsky Ballett-Ensembles. Zugleich war er der erste Brite, der für dieses renommierte russische Ensemble einen Tanzablauf plante und gestaltete.

Seine Ausbildung zum Ballett-Tänzer erhielt der 1972 geborene Dawson an der Rona Hart School of Dance sowie der Royal Ballett School in London. Als 19-Jähriger, 1991, konnte er den Professional Level Prize des Prix de Lausanne gewinnen.

Zu seiner Karriere gehören Stationen wie die Mitgliedschaft im Ensemble des Birmingham Royal Ballett und des English National Ballett. Es folgten internationale Engagements wie das am Het Nationale Ballet in Amsterdam. Beim Ballett Frankfurt begann er im Jahr 2000. Dort war er zwei Jahre lang Erster Solist unter der Leitung von William Forsythe.

Nach diesen zwei Jahren beendete David Dawson seine Karriere als Tänzer und ist seitdem reiner Choreograf. So wurde er unter anderem 2006 Haus-Choreograf des Semperoper-Ballett Dresden. Dort entwickelte er eine Neuinterpretation von „Giselle“, die zu seinem ersten Handlungsballett wurde.

Haus-Choreograf des Königlichen Ballett Flandern in Antwerpen wurde er im September 2010.

Für das Staatsballett Berlin schuf er nun „VOICES“ und „CITIZEN NOWHERE“, die am 26. September 2021 an der Berliner Staatsoper zu Uraufführung kommen.

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