Amphitryon

Eine Komödie in drei Akten von Molière in der Inszenierung von Herbert Fritsch. Übersetzung: Arthur Luther, Uraufführung 13.01. 1668 in Paris, Premiere an der Schaubühne Berlin 13.10.2019.

Man stelle sich das mal vor:
Man kommt von einem großen Kampf nach Hause, wähnt die Gattin zu Hause wartend und voller Sehnsucht.
Und dann wird man von einem Typen, der auch noch haargenau so aussieht, wie man selbst, aus der Wohnung geworfen.
Ab da ist man dann Zuschauer im eigenen Leben, ohne jede Chance auf Einflussnahme – vor allem, wenn der „Doppelgänger“ ein Gott ist, der eben mal scharf war auf die Frau.

Fast zu abenteuerlich, um wahr zu sein, aber ein wunderbarer Erzähl-Stoff, der einzige griechisch-mythologische Stoff, den Molière je verarbeitet hat. Und er hat es, wenn auch mit einiger dichterischer Freiheit, meisterlich getan.

Herausgekommen ist eine haarsträubende Komödie, die Fritsch ebenso meisterlich auf die Bühne bringt. Ja wirft, könnte man fast sagen.
Rasante Auftritte und Abgänge durch seine beliebten Papierwände, Dialoge mit Wucht und Esprit, es ist pure Spielfreude mit einer gehörigen Portion Albernheit. Eine für Fritsch typische Aufführung, alles ein bisschen lauter, bunter, schriller.
Aber die Botschaft bleibt verständlich: Was, wenn wir alle gar nicht so einzigartig wären, wie wir dachten? Was, wenn wir am Idealbild von uns selbst zu scheitern drohen?
Eine wahrlich zeitlose Frage!

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