The Bassarids

Musikdrama in einem Akt von Wystan Hugh Auden und Chester Kallman (1966) nach der Tragödie Die Bakchen des Euripides an der Komischen Oper Berlin; Musikalische Leitung: Vladimir Jurowski; Inszenierung: Barrie Kosky; Vertonung: Hans Werner Henze; Premiere 13.10.2019

Was tun Demagogen?
Massen verführen!
Was kommt immer dabei heraus?
Eine Tragödie.

Heute wie damals und insofern brandaktuell, dieses Stück von Euripides über Machtkämpfe, Verführung und den ekstatischen Blutrausch blinder Gefolgschaft derer, die sich nur zu gern verführen lassen.
Ein junger König, Pentheus, Sohn des Echion und der Agave, wird von seinem Großvater Cadmus zum König über Theben ausgerufen. Während das Volk auf ihn als ihrem neuen Herrscher wartet, ruft ein Fremder – wir ahnen, es ist Dyonisos selbst – die Menschen zum Berg Cytheron, um Dionysos zu huldigen. Die Masse folgt dem Ruf der Anhänger des Dionysos, der Bassariden, zu einem rauschenden Fest voller Ekstase und orgiastischer Hingabe. Es kommt, wie es kommen muss. Auch die anfangs Skeptischen werden neugierig, so auch Agave und am Ende Pentheus selbst. Letzterer wird im Blutrausch Opfer seiner eigenen Mutter, die damit das neugegründete Königshaus dem Verderben preis gibt. Der verführerische Gott, tut, was gottgleiche Despoten tun: Er vernichtet seine Gegner und übernimmt. Zu wessen Wohl, die Antwort bleibt uns die Geschichte schuldig. Oder auch nicht – wer ahnt sie nicht, es wird nicht zum Wohl des Volkes sein! Weil Despoten eben keine Wohltäter sind.

In der Vertonung des zeitlosen Stoffes durch Henze, einem der bedeutendsten Komponisten der Nachkriegszeit, wird das große Orchester zum musikalischen Austragungsort des Kampfes zwischen Dionysos und Pentheus. Die beiden stehen sich in vier Sätzen gegenüber, archaisch, fast chaotisch aber machtvoll auf der einen Seite, der Versuch einer Ordnung, die im hilflosen Drama des Ausgeliefertseins endet, auf der anderen Seite. Barrie Kosky übernimmt und verschärft diesen Kampf des Orchesters gegen das Orchester, des Dionysos gegen Pentheus, indem seine Inszenierung den Orchestergraben sprengt und das Orchester selbst auf der Bühne Zeuge und Mittäter der Tragödie wird.
Mitreißend, verstörend, grandios, oder :
„Der 2 ½-Stünder haut einem erstaunlich kathartisch die Beine weg.“(Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur)

Alle auf dieser Internetpräsenz verwendeten Texte, Fotos, Videos und grafischen Gestaltungen sind urheberrechtlich geschützt. Eine Verwendung ohne ausdrückliche Einverständniserklärung des Rechteinhabers ist untersagt.